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Presseartikel

Stadtanzeiger Opfikon vom 22.12.2005

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Opfikons Finanzen im Würgegriff des Kantons ?
Das aktuelle Finanzausgleichgesetz nimmt keine Rücksicht auf die spezielle Situation von Opfikon. Als Agglomerationsgemeinde sind wir mit vielen Problemen konfrontiert, die andere Gemeinden im Kanton Zürich kaum spüren. Trotzdem werden wir immer stärker zur Kasse gebeten.

Steuerkraft - Finanzausgleich
Vereinfacht dargestellt wird die Steuerkraft in allen Gemeinden gleich berechnet: Gesamter Steuerertrag von natürlichen und juristischen Personen, inkl. Vorjahre und Steuerausscheidungen, umgerechnet auf einen Steuerfuss von 100% geteilt durch die Anzahl Einwohner. Basierend auf dem Steuerertrag 2004 resultiert für Opfikon eine Steuerkraft von 5'286.- Fr. / Einwohner, wobei der kantonale Durchschnitt nur 2'860.- Fr. / Einwohner erreicht.
Die Abweichung vom kantonalen Mittelwert bestimmt, ob eine Gemeinde in den Finanzausgleich bezahlen muss oder ob sie daraus unterstützt wird. Dabei spielt auch das Spektrum der Steuerfüsse eine Rolle. Im Jahr 2005 lieferten 22 Gemeinden die stolze Summe von 254 Mio. Fr. in den Finanzausgleich und 87 Gemeinden können davon profitieren. Opfikon hat mit 16.1 Mio. Fr. einen ansehnlichen Beitrag geleistet und für 2006 ist gar ein Beitrag von ca. 27 Mio. Fr. budgetiert.

Unsere Bevölkerung
Einen direkten Einfluss auf die hohe Steuerkraftabschöpfung hat die Anzahl Einwohner. Ende 1973 zählte unsere Stadt 12'667 Einwohner. Heute, nach 30 Jahren, sind wir knapp 500 Einwohner mehr. Trotz permanenter Bautätigkeit haben sich nur wenige bei uns niedergelassen, dafür beanspruchen die Einwohner mehr Wohnfläche als früher.
Auch die Zusammensetzung unserer Bevölkerung hat sich stark verändert. Heute haben wir einen Ausländeranteil von 41% und jährlich ziehen ca. 1'300 Einwohner zu und ebenso viele wieder weg. Dies belastet nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch unser Zusammenleben in der Gemeinde, in der Schule und in den Vereinen.

Unser Standortvorteil
Für viele ist Opfikon ein praktischer Standort. In der Verbindung zwischen der Stadt Zürich und dem Flughafen, an den Autobahnen in die Ost- und Westschweiz, mit zwei S-Bahnhöfen, der zukünftigen Glattalbahn und mehreren Buslinien sind wir verkehrstechnisch ideal erschlossen. Dieser Vorteil ist aber mit den hohen Imissionen der Verkehrsträger verbunden. Dass Opfikon-Glattbrugg unter Fluglärm leidet ist allen bekannt; doch wird kaum erwähnt, dass wir zusätzlich mit Bahn- und Strassenlärm eingedeckt werden und die Schadstoffe sich sichtbar niederschlagen.
Einsicht zeigten Bund und Kanton mit der Überdeckung Bubenholz. Das aufwändige und gelungene Bauwerk verbindet unsere Ortsteile wieder und schützt uns ein wenig vor der Flughafenautobahn. Auch die Glattalbahn soll zügig erstellt werden, denn sie erschliesst unsere Arbeitsplatzgebiete und bringt eine Entlastung vom wachsenden Individualverkehr. Dafür werden wir in Zukunft mit höheren Betriebskosten konfrontiert.

Unsere Siedlungsstruktur
Die Stadt Opfikon besteht aus vier Ortsteilen: dem malerischen Bauerndorf Opfikon und dem Weiler Oberhausen, der Neustadt Glattbrugg mit Wohnungen und Arbeitsplätzen und dem wachsenden Stadtteil Glattpark. Unsere Erholungsgebiete sind der Hardwald, die Au mit den Sportanlagen, der Opfikerpark und der gesamte Glattlauf.
Die Idille täuscht - dem Druck der Imissionen weichend suchen die Einwohner ruhigere Wohngegenden. Im Einfamilienhausquartier lassen sich nur noch wenige "Grossverdiener" finden. Viele Neuzuzüger ziehen wieder weg, während längjährige Einwohner nur vom Rohr in die Böschenwiese oder den Glattpark wechseln. Die günstigen Wohnungen in den belasteten Gebieten werden rasch wieder gefüllt mit Personen, die auf tiefe Mieten angewiesen sind.
Die Stadt Opfikon reagiert auf diesen "sozialen Abstieg" indem die belasteten Wohngebiete in Arbeitsplatzgebiete umgezont werden. Es dürfte aber Jahrzehnte in Anspruch nehmen bis die teils renovierten Wohnbauten durch Geschäftshäuser ersetzt sind.

Wachsende Anzahl Arbeitsplätze
Die Stadt- und Flughafennähe zusammen mit der Verkehrserschliessung bewirkt, dass sich viele Firmen gerne in Opfikon niederlassen. Sicherheit und Sauberkeit sind weitere, selbstverständliche Kriterien für den Standortentscheid. Gemäss Volkszählung 2000 verzeichnete Opfikon 14'730 Arbeitsplätze und im Glattpark sind weitere 7'000 Arbeitsplätze vorgesehen. Leider wohnen nur wenige Arbeitnehmer hier - 12'900 sind Zupendler und davon benutzen nur etwas über 1/3 die öffentlichen Verkehrsmittel. D.h. die vielen Arbeitsplätze verursachen Infrastrukturkosten, die der Steuerzahler finanziert.

Soziale Konsequenzen
Der wirtschaftliche Einbruch im Zusammenhang mit dem Luftverkehr, aber auch die strukturelle Veränderung in den Wohngebieten bescherte der Stadt Opfikon einen steigenden und finanziell schmerzhaften Anstieg an "Sozialfällen". Anfangs Jahr verzeichneten wir 938 Arbeitslose und 928 Bezüger von gesetzlicher wirtschaftlicher Hilfe. In den letzten 10 Jahren stiegen die Ausgaben der sozialen Wohlfahrt von 5.5 auf 11.2 Mio. Fr.

Der "ungerechte" Finanzausgleich
Mit dem aktuellen Finanzausgleichgesetz, das nur die Einnahmen (Steuern) berücksichtigt, wird eine finanzielle 'Gerechtigkeit' unter den Gemeinden suggeriert. Dabei wird aber überhaupt keine Rücksicht auf die kommunalen Sachzwänge und das finanzielle Gebaren einer Gemeinde genommen.
Seit Jahren versucht die Stadt Opfikon so zu haushalten, dass der Steuerfuss attraktiv tief bleibt. Dies auch in der Erwartung, dass sich weitere finanzkräftige Firmen in Opfikon niederlassen. Obwohl auch die Arbeitsplätze Kosten verursachen, wird über den Finanzausgleich kräftig abgeschöpft. Zudem bleibt unsere strukturell bedingte Zusatzlast im Sozialbereich, in der Schule und generell in der Infrastruktur (Bauten und Verkehr) unberücksichtigt. Es ist dringend, dass das Finanzausgleichgesetz und die Berechnungsgrundlagen revidiert werden.

Werner Brühlmann, Finanzvorstand

   
 
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Glattbrugg, 22.12.2005
 
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