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Presseartikel

Stadtanzeiger Opfikon vom 5.8.2004

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Bewährter Verkehrskreisel beim Hilton soll einer Lichtsignalanlage weichen

Gemäss kantonalem Gesamtverkehrskonzept sollen neue Verkehrsbedürfnisse insgesamt nicht zu einer überproportionalen Vermehrung des motorisierten Individualverkehrs führen. In den Zentrumsregionen soll mit öffentlichen Verkehrsmitteln das Verkehrswachstum aufgefangen werden. Das ist grundsätzlich zu befürworten. Der lokale Individualverkehr wird jedoch parallel zur Entwicklung in der Region weiter zunehmen. Der Kanton beabsichtigt nun, mittels technischer Hilfsmittel den Regionalverkehr auch in Opfikon-Glattbrugg zu beeinflussen. Keine Verkehrskreisel mehr auf Kantonsstrassen. So will es der Kanton. Die Auswirkungen dürften für die Entwicklung unserer Stadt negativ sein.

Bedeutung der Region Glattal
Die Region Glattal ist die viertgrösste Wohnregion des Kantons Zürich. Aufgrund der aktuellen Bevölkerungsprognose für die Jahre 2015 und 2025, welche gemeinsam durch das Statistische Amt und das Amt für Raumordnung und Vermessung erstellt worden ist, kann davon ausgegangen werden, dass das Glattal diesen Rang auch in Zukunft behalten wird. Die Region hat aber für den Kanton Zürich und sogar die ganze Schweiz v.a. aufgrund der Bedeutung als Arbeitsplatzstandort einen grossen Stellenwert. Unsicherheiten um die Entwicklung des Flughafens als Verkehrsdrehscheibe und als Arbeitgeber dürften diesen Trend allenfalls verzögern oder abschwächen, nicht aber umkehren. Das Hauptgewicht der Wohnflächen- und Arbeitsplatzentwicklung in absoluten Zahlen liegt vor allem in der Stadt Opfikon-Glattbrugg.

Städte umfahren - Siedlungsgebiete entlasten
Zwischen dem Kanton Zürich und den Gemeinden besteht eine Aufgabenteilung im Verkehr. Dies gilt vor allem für die Agglomerationsräume. Mit dem Konzept der Umfahrungsringe will der Kanton die Siedlungsschwerpunkte durch Bündelung der Verkehrsströme vom Durchgangsverkehr entlasten.

Entwicklung setzt Moblität voraus
Alle haben einen berechtigten Anspruch auf Mobilität. Zu diesem Zweck sind die verschiedenen Verkehrsmittel sinnvoll zu kombinieren. Umfahrungsringe - Öffentlicher Verkehr - Individual- und Lokalverkehr. Für Opfikon-Glattbrugg sind im kantonalen Verkehrskonzept bereits Umfahrungmöglichkeiten vorgesehen mit der neuen Flughofstrasse Rümlang / Opfikon / Kloten sowie dem Ausbau Thurgauerstrasse / Schaffhauserstrasse im Bereich Oberhauserriet. Mit dem heutigen System des öffentlichen Verkehrs und der kurz vor Baubeginn stehenden Glattalbahn wird in weiten Teilen des nördlichen Glattals eine sehr gute Erschliessungsqualität gewährleistet. Bleibt noch der motorisierte Individualverkehr. Zahlreiche Untersuchungen der heutigen und künftigen Situation belegen, dass dieser weiterhin zunehmen wird. Für eine Boomregion ist das auch legitim. Die Industrie und das Gewerbe wächst mehr oder weniger im Gleichschritt mit. Der Kanton will dem entgegenwirken, indem er die Durchgangsstrassen in den Gemeinden für den Verkehr so unattraktiv wie möglich gestaltet. Der Individualverkehr wird damit abgewürgt. Gleichzeitig leidet aber auch der Lokalverkehr. Die einhergehenden negativen Auswirkungen für das Glattal dürfen nicht unterschätzt werden.

Was der Kanton für "Verkehrsberuhigungsmassnahmen" geplant hat, soll am nachfolgenden Beispiel wie es für Opfikon-Glattbrugg vorgesehen ist, illustriert werden:

Lichtsignalanlagen mit Verkehrssteuerung, anstelle Verkehrskreisel
Der Kreisel beim Hotel Hilton, d.h. bei der Autobahnein- und ausfahrt soll durch eine Lichtsignalanlage mit Rampenbewirtschaftung ersetzt werden. Anders formuliert bedeutet das nichts anderes, als dass bei der mit Kameras überwachten Kreuzung manuell von einer Zentrale aus eingegriffen werden kann. Die Grün- und Rotphasen können also dezentral, je nach Verkehrsaufkommen geregelt werden. Falls die Autobahn überlastet ist, wird zum Beispiel. der "Tropfenzähler" eingeschaltet. Nur noch vereinzelt werden Fahrzeuge durch die Verkehrsbeeinflussungssteuerung zur Autobahn zugelassen bzw. die Ausfahrt Richtung Glattbrugg/Kloten gestattet. Damit werden bewusst künstliche Staus verursacht, um den Individualverkehr abzuhalten, weiterhin diese Route zu wählen. Verkehrsstaus, vor allem auf der Autobahn sind zudem sehr gefährlich. Auffahrtsunfälle sind vorprogrammiert. Fahrzeugkolonnen auf der Schaffhauserstrasse in Richtung Kloten und Seebach dürften zum Alltag gehören und den Lokalverkehr in Opfikon-Glattbrugg zum erliegen bringen. Die Folgen wären enorme negative Auswirkungen auf unsere Industrie, das Gewerbe und den Tourismus und damit auf die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt. Dabei gäbe es eine bewährte Lösung des Verkehrsproblems. Das Problem an sich ist ja nicht neu. In ganz Europa kennt man Pendlerverkehr verbunden mit lokalen Staus. Die Lösung fand man vor vielen Jahren in verschiedenen Ländern Europas im Verkehrskreisel. In England, Frankreich, Deutschland etc. werden laufend Kreuzungen mit Lichtampeln, in Verkehrskreisel umgebaut.

Der Verkehrskreisel hat viele Vorteile
Die Vorteile einer solchen Regelung liegen auf der Hand. Geringere Schadstoffbelastung der Luft, verminderte Unfallgefahr, besserer Verkehrsfluss, weniger Verkehrslärm, reduzierte Geschwindigkeiten und eine höhere Fussgängerfreundlichkeit. In Holland und Frankreich gehören Verkehrskreisel zum alltäglichen Strassenbild. Etwa Anfang der 90-er Jahre kam es zu einer Wiedergeburt der Kreisverkehre auch in Deutschland. Ausschlaggebend waren die guten Erfahrungen in England mit kleinen Verkehrskreiseln. In Deutschland wurden darauf viele Kreuzungen umgerüstet.

Verkehrskreisel sind leistungsfähiger als Kreuzungen oder Einmündungen mit Vorfahrtregelung. Sie können bei Belastungen bis etwa 20'000 Fahrzeugen/Tag auch zu den Spitzenzeiten eine bessere Verkehrsqualität gewährleisten als Kreuzungen mit Lichtsignalanlagen. Bis zu einem Verkehrsaufkommen von 30'000 Fahrzeugen/Tag gilt der Kreisel als sichere Einrichtung. Kreisel organisieren sich nämlich selbst und ganz offensichtlich tun sie das an vielen Stellen besser und billiger als Ampeln.

Durch die gleichmässige Fahrweise sowie die seltenen Haltevorgänge im Kfz-Verkehr treten insbesondere ausserhalb der Hauptverkehrszeiten niedrigere Lärm- und Schadstoffemissionen als an Kreuzungen mit Lichtsignalanlagen auf.

Bei geringen und mittleren Verkehrsbelastungen treten für Fahrzeuge nur kurze oder gar keine Wartezeiten auf.

An Verkehrskreiseln können erhebliche geschwindigkeitsdämpfende Wirkungen im Kfz-Verkehr erreicht werden, die im begrenztem Masse bis in die anschliessenden Streckenabschnitte hineinreichen. Kein lästiges Bremsen oder Durchrasen bei gelb-rot.

Mit Verkehrskreiseln lässt sich oft eine höhere städtebauliche Qualität erreichen als mit herkömmlichen Kreuzungen.

Ein Verkehrskreisel mit Betonbelag anstelle Asphaltbelag hält locker 30 bis 40 Jahre. Wird schnell härtender Beton verwendet, ist der Kreisel nach 48 Stunden befahrbar.

Der öffentliche Verkehr wird nicht mehr durch Staus aufgehalten. Der Kfz-Verkehr rollt flüssig, die Busbeschleunigung ist wesentlich höher.

Verkehrskreisel bieten hervorragende Möglichkeiten, den Übergang von "draussen nach drinnen" zu markieren, um quasi als Eingangstor in die Stadt zu wirken.

Die Aufzählung ist nicht abschliessend. Studien und Untersuchungen in diversen Ländern bestätigen, dass die Vorteile von Verkehrskreiseln vor allem in Wachstumsregionen deutlich überwiegen.

Unsere Meinung:
Die Zahl der Arbeitsplätze im mittleren Glattal hat sich seit 1985 von 53'000 auf 100'000 nahezu verdoppelt. Im Jahr 2025 wird es zwischen 220'000 und 265'000 Stellen geben. Die Zahl der Einwohner wird dannzumal auf 150'000 bis 160'000 geschätzt. Diese Zahlen zeigen auf, dass ein Grossteil des Individualverkehrs auf den öffentlichen Verkehr, zum Beispiel die Glattalbahn umsteigen muss. Doch sollte dieser Umstieg mit motivierenden Mitteln schmackhaft gemacht werden und nicht mit Repressalien wie künstlicher Stauverursachung. Eine gewisse Quote Individualverkehr bleibt immer bestehen und muss es zur Aufrechterhaltung logistischer Abläufe auch geben. Das gleiche gilt für den Lokalverkehr der Einwohner der Stadt. Es kann nicht sein, dass ein Einwohner oder Industrieller bzw. Kleinunternehmer von Opfikon-Glattbrugg, seine Warentransport- oder Geschäftsfahrt nach Kloten nur wegen dem "Tropfenzähler" des Kantons mit 45 Minuten Fahrzeit kalkulieren muss. Wenn die Arbeitnehmer im Stau stehen, sinkt die Produktivität und damit auch die Standortattraktivität des Glattals. Es bleibt zu hoffen, dass der Kanton doch noch Einsicht zeigt und den rund 4 Jahre alten provisorischen Verkehrskreisel für definitiv erklärt. Ergänzend dazu müsste von der Logik her auch im Zentrum beim Migros/COOP ein Verkehrskreisel die bisherige Lichtsignalanlage ablösen. Wir sind überzeugt, dass die heutigen, täglichen Staus auf der Schaffhauserstrasse Vergangenheit wären. H.S., Pressechef

 

 
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Glattbrugg, 5.8.2004
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